Güterverkehr 2030: ein viertel mehr Schiene

Im Szenario „Konsequent Schiene“ führt die Umsetzung des Masterplans Schienengüterverkehr und weiterer Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Marktposition des Schienengüterverkehrs (SGV) verbessert sich spürbar. Der Ausbau der Schieneninfrastruktur und lenkende Maßnahmen im Straßengüterverkehr haben ein massives Wachstum des Gütertransports auf der Schiene zur Folge. Damit baut der schon heute ressourcenschonende SGV seinen Umweltvorteil weiter aus. Die Digitalisierung hilft ihm dabei.

Vorrang für den Schienengüterverkehr

Durch unternehmerischen Einsatz und konsequente Förderung Marktanteile gewinnen

Das Szenario „Konsequent Schiene“ verdeutlicht die positiven Auswirkungen einer verbesserten Wettbewerbssituation des Schienengüterverkehrs im Vergleich zur Straße.

Der Schienengüterverkehr ist in 2030 ein innovativer, konkurrenzfähiger Anbieter auf dem Logistikmarkt und erfüllt die gestiegenen Kundenanforderungen. Digitalisierung, ein erhöhter Automatisierungsgrad und mehr Flexibilität haben die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und machen die Schiene zunehmend just-in-time-fähig. Die Infrastrukturkapazitäten sind so ausgebaut, dass ein deutliches Wachstum möglich ist. Auch der Umweltvorteil hat sich noch einmal erhöht. Als klimafreundliches, zuverlässiges und leistungsfähiges System wird die Schiene zunehmend bei der Transportmittelwahl bevorzugt und kann ihren Anteil am Modal Split bis 2030 um 22 Prozent gegenüber dem im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) vorausgesagten Wert steigern. Wie wichtig die im Szenario beschriebenen verstärkten Investitionen in die Schiene sind, verdeutlicht ein Blick auf die aktuelle Entwicklung. Danach tritt der Schienengüterverkehr mit einem Marktanteil von 18,2 Prozent in 2016 weitgehend auf der Stelle, während die Straße mit einem Marktanteil von 73,3 Prozent ganz klar vorne liegt.

Die Schiene wird zunehmend just-in-time

Die Umsetzung des Masterplans Schienengüterverkehr liefert den Instrumentenkasten für den notwendigen Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene.

Was wir unternehmen wollen

Als Branche geschlossen für eine starke Schiene

Um mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, wollen die Verkehrsunternehmen unterstützend zur Umsetzung der Maßnahmen aus dem Masterplan Schienengüterverkehr auf einer Reihe weiterer Felder aktiv werden:

Infrastruktur ertüchtigen

Der Schienengüterverkehr sieht sich steigenden Flexibilitätsanforderungen gegenüber, wenn er der Konkurrenz auf der Straße leistungsfähige Angebote entgegensetzen will. Um diese Herausforderungen zu meistern, muss der Aus- und Neubau der Infrastruktur forciert werden. Mit Blick auf die Kapazitätsgrenzen im SGV ist dabei insbesondere der Ausbau der zentralen Achsen für Güterzüge mit 740 Metern Länge, der Ausbau von Großknoten, ein verbessertes Baustellenmanagement sowie eine deutliche Planungsbeschleunigung unerlässlich. Letzteres ist die Voraussetzung dafür, dass die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zeitnah erfolgen können. Die Umsetzung eines Elektrifizierungsprogramms wird einen weiteren wichtigen Beitrag zu einem leistungsstärkeren SGV leisten, ebenso wie die Ertüchtigung von Terminals für den Kombinierten Verkehr. Außerdem gilt es, die Umsetzung der digitalen Leit- und Sicherungstechnik ETCS als einheitlicher, interoperabler Standard sowie die flächendeckende Ausstattung des Streckennetzes mit digitalen Stellwerken (DSTW) konsequent voranzutreiben, um die Kapazität und Zuverlässigkeit sowie Effizienz der vorhandenen Schienenwege zu erhöhen sowie die Interoperabilität für internationale Verkehre zu verbessern.

740

Meter lange Güterzüge sollen künftig die zentralen Strecken nutzen können.

Innovationen steuern

Neue technische Entwicklungen wirken sich direkt auf die Anforderungen an die eingesetzten Fahrzeuge aus. In Bezug auf die multimodale Kompatibilität gehören dazu beispielsweise Konzepte wie der „Cargo-Beamer“, alternative Antriebstechniken wie „Hybridlokomotiven“ für die letzte Meile oder flexible Aufbauten. Die Verkehrsunternehmen wollen solche Innovationen verstärkt testen und einsetzen.

Die Verkehrsunternehmen wollen neue Konzepte für veränderte technische Anforderungen entwi

Betrieb digitalisieren

Die Digitalisierung eröffnet vielfältige Möglichkeiten zur Optimierung des Betriebs. Durch einen verbesserten Informationsaustausch in Echtzeit zwischen Güterzügen sowie physischer und digitaler Infrastruktur lassen sich Taktung und Geschwindigkeit optimieren und die Zugfolgen erhöhen. Eine effizientere, zuverlässigere und betrieblich stabilere Transportdurchführung erhöht die Attraktivität des SGV für Verlader und Spediteure. Die Verkehrsunternehmen werden daher verstärkt in die Digitalisierung und Automatisierung des Betriebs investieren.

Fachkräfte gewinnen

Nicht zuletzt durch die Digitalisierung steigen die Anforderungen an die im Schienengüterverkehr eingesetzten Fachkräfte. Das erfordert Anstrengungen zur Qualifizierung der vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zur Gewinnung neuer Fachkräfte.

Multimodalität soll bereits in der Ausbildung ein Thema werden.

Ein zukunftsfähiger Schienengüterverkehr setzt eine qualitative und quantitative Aus- und Weiterbildungsoffensive voraus, um Personalengpässen möglichst frühzeitig zu begegnen und sich im Wettbewerb mit anderen Branchen zu behaupten. Wichtig ist darüber hinaus die Berücksichtigung der besonderen Anforderungen des Eisenbahnverkehrs bis hin zur Multimodalität von Transportketten bereits in den transportbezogenen Ausbildungsberufen. Auch in der berufsbildübergreifenden Ausbildung, beispielsweise bei Speditionskaufleuten, ist die frühzeitige und profunde Vermittlung eisenbahnspezifischer Inhalte von großer Bedeutung.

Eine Offensive für Aus- und Weiterbildung ist dringend nötig.

Die Digitalisierung des Schienennetzes bietet große Chancen, die Kapazitäten im Schienengüterverkehr zu erhöhen und die Effizienz zu verbessern.

Was die Politik jetzt tun muss

Weichenstellung für einen leistungs- und konkurrenzfähigen Schienengüterverkehr

Die Politik muss bessere und gerechtere Rahmenbedingungen schaffen, damit der Schienengüterverkehr leistungs- und konkurrenzfähiger wird. Allem voran steht dabei die schnelle gesetzliche Implementierung der Maßnahmen aus dem Masterplan Schienengüterverkehr, den die Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode vorgelegt hat.

Dauerhafte Stärkung des Schienengüterverkehrs

Mit der Verabschiedung des Masterplans Schienengüterverkehr hat das Bundesverkehrsministerium im Juni 2017 einen ersten wichtigen Schritt unternommen, um den Schienengüterverkehr dauerhaft zu stärken. Die in dem Strategiepapier definierten Maßnahmen müssen – wie im Koalitionsvertrag angekündigt – nun konsequent umgesetzt werden, damit sich die Wettbewerbsbedingungen für den SGV verbessern und der Marktanteil der Schiene steigen kann. Ein Kernelement ist dabei die deutliche Reduzierung der Anlagen- und Trassenpreise. Wichtig ist allerdings auch, dass die hieraus folgenden Erlösausfälle der Eisenbahninfrastrukturunternehmen durch Mittel aus dem Bundeshaushalt kompensiert werden. Darüber hinaus sind die bereits im Bundesverkehrswegeplan definierten notwendigen Infrastrukturmaßnahmen konsequent und beschleunigt umzusetzen.

Die Schiene muss ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Dabei kommt der Erhöhung der maximalen Zuglängen erhebliche Bedeutung zu, denn die aktuell maximale Zuglänge von 740 Metern ist aufgrund punktuell fehlender Überholgleise nur sehr eingeschränkt fahrbar. Zudem müssen heute schon Lösungen für den künftigen Einsatz von 1.000 Meter langen Güterzügen entwickelt werden. Einen weiteren wichtigen Baustein stellt der Ausbau der Großknoten Hamburg, Köln, Frankfurt, Ludwigshafen /Mannheim / Heidelberg / Karlsruhe, München und Hannover sowie deren Zulaufstrecken dar. Nicht zuletzt ist eine möglichst durchgehende Elektrifizierung des Schienennetzes für den Güterverkehr von besonderer Bedeutung, damit die Güter schnell, umweltfreundlich und auch bei nötigen Umfahrungen (zum Beispiel durch Baustellen) pünktlich und zuverlässig transportiert werden können.

Die Reduzierung der Anlagen- und Trassenpreise ist von zentraler Bedeutung.

Finanzierung sichern

Die Politik hat gerade in der jüngeren Vergangenheit erheblich zur Stärkung des Schienenverkehrs beigetragen. Dabei ist insbesondere die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) II zu nennen, die Ende 2019 ausläuft. Die Vereinbarung war ein wichtiger Meilenstein für die Infrastrukturfinanzierung der Schiene. Über die LuFV II fließen zwischen 2015 und 2019 rund 28 Milliarden Euro in die Modernisierung des Netzes, der Bahnhöfe und der Energieanlagen. Diesen erfolgreichen Weg muss die Politik weitergehen und auch in der Anschlussregelung LuFV III ausreichende Mittel vorsehen, damit die Verkehrsunternehmen verstärkt in Digitalisierung, verbesserte Betriebsabläufe und kapazitätsschonendes Bauen investieren können.

Faire Rahmenbedingungen

Der Güterverkehr auf der Schiene leistet bereits heute einen signifikanten Beitrag zur Energiewende und verfolgt das Ziel, seinen Umweltvorteil weiter auszubauen. Ungeachtet dieser Anstrengungen sieht sich die Schiene aber mit hohen Belastungen und einem starken Konkurrenzdruck konfrontiert, insbesondere durch den Straßengüterverkehr. Eine verstärkte Verlagerung von Transporten auf die Schiene kann nur dann gelingen, wenn die Wettbewerbsbedingungen harmonisiert und angeglichen werden. Flankierend zur Senkung der Trassenpreise müssen die Verkehrsunternehmen bei Steuern und Abgaben entlastet werden. Gerade die Senkung der Stromsteuer und eine Befreiung von der EEG-Umlage kann die Wettbewerbsfähigkeit der Güterbahnen verbessern, denn als energieeffizienter, aber energieintensiver Verkehrsträger ist die Schiene in den letzten Jahren besonders stark von steigenden Kosten durch Energiesteuern und sonstige Abgaben betroffen.

Im Gegenzug gilt es, ordnungspolitische Rahmenbedingungen auf ihre Klimaschutzwirkung hin zu überprüfen und Maßnahmen gegen Güterverkehre zu ergreifen, die einen zu geringen Beitrag zu einem umwelt- und klimafreundlichen Verkehr leisten. Der Straßengüterverkehr hat im Hinblick auf die schnelle Umsetzung von Innovationen einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Schiene: Da die Technik vor allem im Fahrzeug und nicht wie bei der Eisenbahn in der Infrastruktur verbaut ist, sind Innovationen wie umwelt- und klimafreundliche Antriebe wesentlich leichter zu realisieren. Die Politik muss diese Umsetzung mit Blick auf die Klimaschutzziele im Verkehrssektor konsequent einfordern und eine Nichterfüllung sanktionieren. Analog zu den Regelungen bei der Reduzierung des Schienenlärms sollte es auch deutliche Restriktionen für nicht emissionsarmen und klimaschädlichen Straßengüterverkehr geben, zum Beispiel über eine erhöhte Maut bis hin zu Fahrverboten. So entsteht ein fairer Wettbewerbsrahmen, in dem jeder Akteur seinen Beitrag für Effizienz und Ökologie leisten muss.

Eine um 100% höhere Lkw-Maut wird zur stärkeren Verlagerung auf die Schiene beitragen.

Die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) II hat die Mittelausstattung für die Schiene deutlich verbessert. Die LuFV III muss an diese positive Entwicklung anknüpfen.
Das Szenario Verkehrswende verdeutlicht die spürbaren Effekte gemeinsamer Anstrengungen von Unternehmen und Politik für einen leistungs- und konkurrenzfähigen Schienengüterverkehr

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV)

Kamekestraße 37 – 39,
50672 Köln